Evangelische Pfarrgemeinde Christuskirche

Lesegottesdienst Okuli 7. März 2021

 

Lesegottesdienst aus Wien Favoriten Christkirche

 

Sonntag Okuli  7.03. 2021

 

 

 

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie eine Kerze an, suchen Sie sich Lieblingsmusik aus oder singen Sie ihre Lieblingslieder aus dem Gesangbuch!

 

 

 

Musik

 

 

 

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - sein Friede sei mit uns allen. Amen 

 

 

 

Gebet :

 

Christus Jesus, du bist den Weg des Leidens gegangen und rufst uns, dir zu folgen. Überwinde in uns die Angst, die im Verzicht nur Minderung des Glücks und keine Befreiung aus Fesseln der Bequemlichkeit sehen kann. Schenke uns die Erfahrung eines erfüllten Lebens in deiner Nachfolge, der du lebst eins mit dem Vater und den Geist in Ewigkeit.   

 

Amen

 

 

 

Die Schriftlesung für den Sonntag Okuli steht im 1. Buch der Könige im 19. Kapitel, die Verse 1-8:

 

1Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. 2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! 3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. 4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug,so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. 5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! 6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. 7 Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

 

Amen

 

 

 

Lasst uns gemeinsam unseren Glauben bekennen

 

Ich glaube an Gott,

 

den Vater, den Allmächtigen,

 

den Schöpfer des Himmels und der Erde,

 

und an Jesus Christus,

 

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

 

empfangen durch den Heiligen Geist,

 

geboren von der Jungfrau Maria,

 

gelitten unter Pontius Pilatus,

 

gekreuzigt, gestorben und begraben,

 

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

 

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

 

aufgefahren in den Himmel;

 

er sitzt zur Rechten Gottes,

 

des allmächtigen Vaters;

 

von dort wird er kommen,

 

zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

 

die heilige christliche Kirche,

 

Gemeinschaft der Heiligen,

 

Vergebung der Sünden,

 

Auferstehung der Toten

 

und das ewige Leben.

 

Amen

 

 

 

Musik

 

 

 

Predigt

 

Der Predigttext für den heutigen Sontag Okuli steht im  Epheserbrief  im 5. Kapitel, die Verse 1-9:

 

1Soahmt nun Gott nach als geliebte Kinder 2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört,4 auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis;nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

 

Amen

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Wir sind sozusagen am Tiefpunkt der Vorpassionszeit. Es geht um die Nachfolge Christi. Um nichts weniger. Und wie mit einer Lupe und mit grellem Scheinwerfer wird auf unser Verhalten geschaut. Das hat eine gewisse Unbarmherzigkeit, aber auch eine schonungslose Ehrlichkeit. Der Zeigefinger geht hoch: „Du musst Dein Leben ändern!“ Es geht um Finsternis und Licht, um knallharten Dualismus. Falsch und gut, draußen und drin. Sonst kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams, werden wir gemahnt.

 

Da ist kein Kuschelbärgott mehr, den wir uns weichgespült haben. Da ist ein zorniger Gott. Ein Gott, der Erwartungen an mich hat. Ich werde immer unruhig bei solchen Texten. Und ich merke, dass mich so eine einfache Einteilung in dunkel und hell, böse und gut skeptisch macht. Sekten machen das so, aber auch der politischen Welt dieser Tage ist das nicht fremd: Die Querdenker teilen ein in die Elite, die da oben und die anderen, das wahre Volk. Kein gutes Fahrwasser. Die Demokratiefeindlichkeit ist mit Händen zu greifen.

 

Und die Inzidenzen steigen. Droht die dritte Welle? Finsternis oder Licht? Bräuchten wir nicht endlich etwas Schönes und Aufbauendes? Wobei – sind das nicht alles Vorder- und Rückseite ein und derselben Medaille?

 

Derjenige, der damals den Epheserbrief schreibt, der gibt zu bedenken: Ihr seid Kinder Gottes, Kinder des Lichtes und Christus hat euch geliebt. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Wandelt als Kinder des Lichts… Also ran an den Pflug und den Blick nach vorne, würde der Wochenspruch wohl sagen. Keiner hat behauptet, dass Nachfolge Christi immer einfach sein würde. Immer ohne Hindernisse und unangenehme Seiten. Menschen fanden Jesus schon immer faszinierend. Wollen sich ihm anschließen, aber vorher noch kurz ihre Dinge regeln: Abschied nehmen von der Familie oder Tote bestatten. Und die Reaktion Jesus: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes (Lk 9,62).

Wir sind ein bisschen zum „Schönwetterchristentum“ verkommen. Alles geht in gewohnten Bahnen, wir verwalten unseren Glauben, alles erwartbar, alles wie immer. Corona hält uns gerade den Spiegel vor. Und wir Ringen um Inhalte: Ist es verantwortbar, Abendmahl zu feiern oder ist es gerade jetzt dringend notwendig, dass wir in unserer Gemeinschaft gestärkt werden? Ist es bei der Konfirmation wichtig, Jugendlichen in diesen seltsamen Zeiten den Segen Gottes mitzugeben oder die Anzahl der geladenen Gäste und die Möglichkeit zu feiern? Was macht es mit uns, wenn wir plötzlich stumm werden, weil wir nicht singen dürfen? Wo sieht man denn unser Licht leuchten? Denn die Latte liegt hoch: Wir sollen Gott nachahmen. Aha, denke ich. Eigentlich doch ein legitimes Anliegen, oder?

 

Auf jeden Fall damals in Ephesus! Das war bekannt für seine lockeren Umgangsformen. Da werden die Mahnungen schon berechtigt gewesen sein: Keine Unzucht, keine Habsucht, kein schändliches Tun und auch keine närrische oder lose Rede…

 

Ich denke an die Flüchtlingslager, in den Menschen vegetieren und auch elendig verrecken. Und warum darf eigentlich ein Seenotrettungsschiff, das v.a. Jugendliche an Bord hat, nicht gleich in einen europäischen Hafen einlaufen? Ach ja und da waren ja auch noch die leeren Worte, die wir meiden sollen. Unwillkürlich denke ich an das politische Hin- und Her der letzten Zeit und die sinnlosen Beschuldigungen, die niemanden helfen – oder die Angriffe aus der Politik auf die Justiz. Denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.

 

Wohl ist mir bei all den Vorgängen nicht. Geht ihnen das auch so?

 

Derjenige, der das damals aufgeschrieben hat, der malt uns Christus vor Augen, der das Verlorene liebevoll sucht bis in den eigenen Tod. Wer sich dem zuwendet, wird sich von all den Zeitgenossen abwenden, denen das Verlorene bei uns und in der weiten Welt nicht einmal ein Achselzucken wert ist. Wir müssen nicht auf allen Hochzeiten tanzen und über jeden Witz lachen. Wir müssen unser Fähnchen nicht in jeden Wind hängen.  Das ist Moral, wie sie biblisch ist: Ausdruck von Freiheit. Denn wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (2.Kor 3,17).

 

Es kommt mir so vor, als ob sich dieser Predigttext heute vor mit auf dem Tisch dreht wie eine Münze, die man angestoßen hat. Vorne, hinten, vorne, hinten. Die beiden Seiten überlappen sich. Das eine bedingt das andere.

 

Wir sind schon längst Licht der Welt und Salz der Erde (Mt 5, 13f). Und unsere Hand liegt am Pflug. Mal packen wir fester zu, manchmal halten wir ihn ganz lose. Und natürlich schauen wir auch zurück. Trotz allem, trotz aller Fehltritte und allem Zögern und Zaudern, trotz aller Ausreden, sind wir Kinder des Lichts.  Wir müssen das nicht erst werden!

 

Das kann ich dann aber auch nicht delegieren an andere, sondern ich selbst bin gefragt. Ich kann mein Christsein nicht immer verschieben in Diakonie oder mich entschuldigen mit den Umständen. Das ist wohl der Anspruch, den diese Sache Gottes an uns hat. Das ist aber auch das Zutrauen Gottes in uns, dass wir trotzdem leuchten werden. Jede und jeder an seinem Platz.

 

Da helfen hier bei uns Menschen einander und sie vergessen einander nicht. Da hat einer ein offenes Ohr und ein offenes Herz für die Anliegen seiner Mitmenschen. Oder eine andere reicht jemanden die Hand. Die Alten werden zum Impfen begleitet. Jugendliche teilen nicht jeden depperten Kommentar. Ein Kind im Kindergarten verteidigt seinen Freund. Unzählige Menschen engagieren sich in Impfzentren. Da läutet ein Kollege die Kirchenglocken, wenn bei einer Demonstration gegen die Kovidmaßnahmen, menschenverachtende und demokratiefeindliche Unwahrheiten verkündet werden. Manche stellen Kerzen ins Fenster, als Zeichen des Mitgefühls mit allen, die unter Corona besonders leiden. 

 

Wandelt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Von [vielem] soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, […] sondern vielmehr von Danksagung.

 

 Die Münze vor meinem inneren Auge dreht sich weiter. Vorder- und Rückseite verschwimmen. Finsternis und Licht. Doch immer wieder blitzt das Licht eben auf. Viele Menschen treffe ich gerade, die mir erzählen, wofür sie dankbar sind.

 

Vielleicht ist diese Dankbarkeit ja Teil unserer Aufwärmphase in der Vorpassionszeit für den eigentlichen Auftrag, Gott nachzuahmen. Oder zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Eine innere Haltung, die nach außen durchschimmert. Die andere ansteckt oder nachdenklich macht.

 

Und vielleicht ist es ja ein gesundes Unwohlsein, das ich bei solchen Texten haben. Vielleicht ja, weil sie den Finger in die Wunde legen. Ich denke an Psalm 73, in dem es heißt: Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du [Gott] hältst mich bei meiner rechten Hand. Und mit der linken Hand nehme ich den Pflug wieder. Natürlich schaue ich dann und wann zurück. Und natürlich lasse ich auch mal los oder ich stolpere. Aber bei all dem schimmere ich vor mich hin als Kind des Lichtes.

 

Amen.

 

 

 

Musik

 

 

 

Fürbittgebet:

 

Hilf uns, Gott des Lebens.

 

Hilf uns in dieser Zeit

 

mit deiner Güte,

 

mit deiner Gerechtigkeit,

 

mit deiner Wahrheit.

 

 

 

Hilf denen,

 

die an deiner Güte zweifeln,

 

die fragen, wo du bleibst,

 

die sich vor der Zukunft fürchten,

 

die sich aufreiben und nur Finsternis sehen.

 

Hilf du und antworte ihrer Not.

 

 

 

Hilf denen,

 

die nach Gerechtigkeit schreien,

 

die hungern,

 

die sterben,

 

die von allen verlassen sind.

 

Hilf du und sorge für ein gerechtes Leben.

 

 

 

Hilf denen,

 

die um die Wahrheit ringen,

 

die sich der Lüge verweigern,

 

die dich suchen,

 

die dir vertrauen und Jesus nachfolgen.

 

Hilf du deiner Gemeinde – hier und in aller Welt.

 

 

 

Diese Zeit braucht Menschen, die aus deiner Güte leben.

 

Diese Zeit braucht Menschen, die die Gerechtigkeit lieben.

 

Diese Zeit braucht Menschen, die die Wahrheit bezeugen.

 

Mache du uns zu solchen Menschen

 

durch Jesus Christus, deinen Sohn

 

und unseren Bruder und Erlöser.

 

Ihm vertrauen wir uns an – heute und alle Tage.

 

Amen.

 

 

 

Vater Unser

 

Vater unser im Himmel

 

geheiligt werde dein Name.

 

Dein Reich komme.

 

Dein Wille geschehe,

 

wie im Himmel, so auf Erden.

 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

 

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch

 

wir vergeben unseren Schuldigern.

 

Und führe uns nicht in Versuchung,

 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

 

Denn dein ist das Reich

 

und die Kraft

 

und die Herrlichkeit

 

in Ewigkeit

 

Amen.

 

 

 

Segen

 

Hände öffnen, Handflächen nach oben,sagen:

 

Gott, segne uns/mich.

 

Gott, behüte uns/mich.

 

Lasse dein Angesicht leuchten über uns/mir.

 

Sei uns/mir gnädig.

 

Erhebe dein Angesicht auf uns/mich.

 

Und gib uns/mir Frieden.Amen.

 

 

 

Und/oder:Fenster öffnen.Einatmen. Ausatmen.Sagen:

 

Weise uns den Weg, Gott, geh mit, Gott, geh mit.

 

Ich bin da und du bist da, Gott.

 

Danke.   Amen.

 

 

 

Bleiben Sie alle gesund und behütet!

 

 

 

Ihr  Pfarrer Dr. Michael Wolf                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lesegottesdienst Reminiscere 28.02.2021

Lesegottesdienst aus Wien Favoriten Christkirche

Sonntag Reminiscere 28.02. 2021

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie eine Kerze an, suchen Sie sich Lieblingsmusik aus oder singen Sie ihre Lieblingslieder aus dem Gesangbuch!

Musik

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - sein Friede sei mit uns allen. Amen 

Gebet :

Gott, lass uns leben im Rhythmus mit dir und deiner gesamten Schöpfung, hauch uns Hoffnung ein und gib uns festen Grund: Als Versöhnte – mit unseren Mitmenschen, mit uns selbst, und in allem mit dir. Als Befreite – als deine Töchter und Söhne, die für dein Wort einstehen, hier und überall. Als Menschen des Friedens – die daran festhalten, dass der Mut des Vertrauens stärker ist als Konflikte und Gewalt. Mach auch jetzt einen neuen Anfang mit uns, mach uns zu Hoffnungszeichen deiner Liebe, mach uns bereit, in unsicherer Zeit bei denen zu stehen, die uns brauchen.

Amen

Die Schriftlesung für den Sonntag Sexagesimae steht im Evangelium nach Johannes im 3. Kapitel, die Verse 14-21:

4 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Amen

Lasst uns gemeinsam unseren Glauben bekennen:

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen

Musik

Predigt

Der Predigttext für den heutigen Sontag Reminiscere steht beim Propheten Jesaja, im 5. Kapitel, die Verse 1-7:

1 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. 2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. 3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! 4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? 5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. 6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. 7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

beliebt wird man durch so ein Lied nicht.

Stellen wir uns vor: in Jerusalem ein Fest. Vielleicht das Laubhüttenfest, Erntedank. Leckere Speisen, köstlicher Wein, 
Straßenfeststimmung; ein Sänger tritt auf, packt seine Gitarre aus, stimmt ein Lied an. Die Leute kommen näher. Ein Liebeslied? - Eher eine Ballade.
Eine Ballade von einem Weinberg und von meinem Freund, dem er gehört. Mit eigenen Händen hat mein Freund seinen Weinberg urbar gemacht, das Brombeergestrüpp weggehauen, die wilden Wurzeln ausgegraben, die Steinbrocken aus dem Boden gebrochen; zum Schutz vor der Wildnis hat er seinen Garten ummauert, eine Kelter gebaut und einen Turm für die Wächter. Schließlich hat er die Reben gepflanzt: die besten waren ihm gerade gut genug. Jetzt wird es Sommer und es wird Herbst, spürt ihr, wie mein Freund sich freut, sich freut auf die Frucht seiner Mühe, sich freut auf einen guten Wein!
Nun, ihr Gäste unseres Festes: hat er nicht alles Recht, sich auf die Früchte seiner Arbeit und seiner Liebe zu freuen? - Doch vergeblich: „Er wartete, dass sein Weinberg gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.“ Der Sänger greift nun härter in die Saiten seines Instruments, seine Stimme lauter, die Zuhörenden - ein wenig irritiert. Schon wird er direkt:
„Ihr, ihr Bürger Jerusalems, richtet zwischen mir und meinem Weinberg: Hab ich nicht alles getan? Warum dankt er mir mit schlechten Trauben?“
Im Publikum Unruhe: Auf was will er hinaus? Er sprach doch von einem Freund, nun ist er selbst der Eigner des Weinbergs. Und wirkt er nun nicht doch wie ein enttäuschter Liebhaber:
aufgeben und auflassen will er seinen Weinberg, so handelt doch kein Bauer. Die Disteln wieder wachsen lassen und die Dornen, wie wenn‘s ihm egal wäre, wenn sein Garten wieder zur Wildnis wird und alles verkommt.
- Der Sänger lässt seine Gitarre sinken. Jetzt spricht er Klartext: Der Weinberg ist der Weinberg des Herrn, Ihr seid es, die seine Mühe mit schlechten Früchten dankt, Gott pflanzte Gerechtigkeit, ihr gabt ihm Schlechtigkeit. Gott erwartete Rechtschaffenheit, ihr tratet sein Recht mit Füßen. Haben sie ihn beschimpft, die Feiernden in Jerusalem, als das Lied von seinem Freund so ausging? Haben sie Jesaja beworfen mit Papptellern und leeren Bechern? Dies Lied des Jesaja, das Weinberglied, wird ja erzählt kurz vor der Berufung des Jesaja (Jes 6), noch ehe er Gott, den Herrn, sitzen sieht auf dem hohen himmlischen Thron ihn thronen sieht so, dass der Saum seines Mantels hinunterfließt und in Jerusalem die Mauern des Tempels füllt! 
- Stellen Sie sich vor: der Mantel Gottes, sein Saum fließt hinunter vom Himmel und füllt hier unser Kirchenschiff! - So präsent wird Jesaja Gott schauen! Und es macht einen Unterschied, es macht den entscheidenden Unterschied, ob Gott präsent ist, ob Gott mit seinem Volk ist, oder ob er sein Volk verlässt:  Mit Gott: Garten. - Ohne Gott: Verwilderung. 
Gott hat alles gut gemacht, hat aus dem Nichts den Garten Eden geschaffen und aus einer Handvoll Erde den Adam und die Eva; Gott hat aus seiner Weisheit sein Gebot gegeben, zehn Gebote, die wie ein Zaun um unsere Gemeinschaft stehen, damit unser Garten nicht zur Wildnis wird, und er hat sein Gebot der Gerechtigkeit und der Treue in unserer Mitte aufgerichtet, damit wir Menschen uns nicht gegenseitig zerfleischen, sondern einander stärken. - So gut ist Gott, so gut hat er seinen Weinberg geordnet.
Und jetzt der Mensch. Jetzt ist es an uns, dass wir die Arbeit Gottes erkennen und würdigen und die Früchte bringen, die guten, die Gott von uns erwartet. Darf Gott von uns etwas erwarten? Hat Gott einen Anspruch darauf, dass wir schöpfungsgemäß, Garten-gemäß, seiner Weisheit, seinem Gebot gemäß uns verhalten? Ihr Bürger Wiens, „richtet zwischen mir und meinem Weinberg! Was kann man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?“
Im Weinberglied ist es eine feine Note, auf die sehr viel ankommt: was Gott getan hat für seinen Garten, sein Schaffen, Kultivieren und Aufbauen, liegt in der Vergangenheit, ist ganz real. Was er sagt, jetzt, wo sein Garten ihn mit Rechtsbruch und Schlechtigkeit bitter enttäuscht, dass ist Zukunft, das ist Emotion, das ist Stimme der Enttäuschung. Und, hören wir genau hin: es ist Drohung. Drohung eines enttäuschten Liebenden. - Ob Gott die Drohung wohl wahr macht? Will Gott wirklich den Wolken gebieten, dass sie seinen Segen nicht mehr regnen lassen auf seinen Garten und sein erwähltes Volk? Ohne Gottes Gegenwart, ohne Gottes Segen, ohne Gottes Gerechtigkeit wird unser Garten verwildern. Die Wildschweine würden ihn zerwühlen, alles Wertvolle würde gestohlen, Disteln und Dornen würden die Reben ersticken, die Hitze den Boden ausdörren - bis nichts mehr bleibt: kein Garten, keine Schönheit, keine Kultur, kein Grün.
Doch hätte Gott nicht alles Recht, seinen Weinberg aufzulassen: Er hat die Erde und Menschen geschaffen, er kann sie auch wieder abschaffen, ein misslungenes Experiment. Er hat sein Gesetz gegeben, dass es das Leben regelt und fördert, er kann sein Gesetz auch wieder aufheben. Er könnte den Menschen sich selbst überlassen, unserem Eigensinn, unserer Kurzsichtigkeit, unserer Sünde, unserer Gier. „Ihr Bürger, richtet zwischen mir und meinem Weinberg!“ 
Freilich, so sehr wie dieser Gärtner seiner Weingarten liebt, wird er dies wirklich tun? Er hätte alles Recht dazu, aber wird Gottes dies wirklich tun? Schaut man von Jesajas Weinberglied aufs Ganze der Bibel, wird erkennbar, dass Gott immer wieder verzweifelt, dass von uns Menschen so wenig Resonanz kommt auf seine Weisheit und seine Liebe. Er wirbt und bittet, und Gott lädt ein und argumentiert, sendet Propheten, kommt selbst in Christus als Mensch!  Immer neu kommt Gott auf uns Menschen zu, dass wir umkehren und aus seiner Weisheit leben. Und manchmal droht Gott, so wie er hier durch Jesaja warnt und droht. Und manchmal nimmt Gott sich zurück und gebietet den Wolken, für eine kleine Zeit keinen Segen zu regnen. „Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser“ (Jes 54,8).
Doch dann kommt Gott wieder zurück, zeigt sein Gesicht, spendet seinen Segen, zeigt seine Liebe, wendet neu sich uns zu und wirbt wieder um uns - weil, wenn ich die Bibel recht versteh, weil Gott, der allmächtige, - weil er nicht anders kann. Das ist die Ohnmacht des Allmächtigen.
Und ein letztes aus diesem Lied des Jesaja: Gott pflanzte Gerechtigkeit, wir gaben ihm Schlechtigkeit. Gott erwartete Rechtschaffenheit, wir traten sein Recht mit Füßen. Dass Gott Segen regnen lässt über seinen Garten, scheint für das Gedeihen der Früchte nicht zu genügen. Wir Menschen sollen mittun. Mitsegnen und mitlieben, mitwirken in Gottes Gerechtigkeit und mitarbeiten in Gottes Schöpfung. Die Bibel geht davon aus, dass ein Mensch, der die Schönheit der Schöpfung Gottes erkennt und eine Gemeinde, die die Weisheit der Gerechtigkeit Gottes sieht, Frucht bringen kann und Frucht bringen will und Frucht bringen wird. Wir arbeiten mit. Wir müssen Gottes Segen nicht machen. Aber unter seine Wolke uns stellen und seinen Segen durch uns hindurchfließen lassen: ja, das können wir, dafür sind wir gemacht.

AMEN.

Musik

Fürbittgebet:

Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Deine Barmherzigkeit rettet.
Deine Barmherzigkeit heilt.
Deine Barmherzigkeit beschützt.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und rette deine Schöpfung.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die traumatisierten Kinder in den Flüchtlingslagern.

Erinnere dich an die Menschen,
die kein Zuhause haben.
Erinnere dich an die Mutigen,
die den Gewaltherrschern widerstehen.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und rette uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und heile die Kranken.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die Kranken auf den Intensivstationen
und auch an die Genesenden.

Erinnere dich an die,
die alles für die Kranken und Hinfälligen tun.
Erinnere dich an die Trauernden
und hülle die in deine Liebe,
die ohne Umarmung Abschied nehmen mussten.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und heile uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und beschütze, die dir vertrauen.
Erinnere dich an die Verfolgten in aller Welt.
Erinnere dich an unsere Geschwister in Indien
und an die Frauen von Vanuatu.

Erinnere dich an die Verzweifelten und die,
die um ihre Existenz fürchtenden.
Erinnere dich an unsere Gemeinde und an alle,
für die wir Verantwortung haben.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Berühre uns mit deiner Barmherzigkeit
und verwandle diese Welt
durch die Liebe Jesu
heute und an jedem neuen Tag.
Amen. 

Vater Unser
Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch
wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit
Amen.

Segen

Hände öffnen, Handflächen nach oben,sagen:

Gott, segne uns/mich.

Gott, behüte uns/mich.

Lasse dein Angesicht leuchten über uns/mir.

Sei uns/mir gnädig.

Erhebe dein Angesicht auf uns/mich.

Und gib uns/mir Frieden.Amen.

 

Und/oder:Fenster öffnen.Einatmen. Ausatmen.Sagen:

Weise uns den Weg, Gott, geh mit, Gott, geh mit.

Ich bin da und du bist da, Gott.

Danke.

Amen.

 

Bleiben Sie alle gesund und behütet!

Ihr  Pfarrer Dr. Michael Wolf                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AB 7. FEBRUAR 2021 finden wieder GOTTESDIENSTE statt

Aufgrund der neuen Bestimmungen dürfen aktuell nur noch 28 Personen am Gottesdienst teilnehmen.

Es ist außerdem verpflichtend eine FFP2 Maske zu tragen während des gesamten Gottesdienstes.

Diese Verordnung gilt bis auf Widerruf.