Evangelische Pfarrgemeinde Christuskirche

Lesegottesdienst Epiphanias (6./10.01.)

 

Lesegottesdienst aus Wien Favoriten Christuskirche

 

Epiphanias –6.1. 2021

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie eine Kerze an, suchen Sie sich Lieblingsmusik aus oder singen Sie ihre Lieblingslieder aus dem Gesangbuch!

 

Musik

Gebet:

Ewiger Gott, der du all unser Tun und Denken übersteigst:
Der Stern deiner Liebe ist aufgegangen an unserem Firmament und hat Menschen auf neue Wege gelockt.
In einem Kind haben sie dich erkannt und dir die Ehre erwiesen.
Leuchte auch uns, wenn wir suchen.
Mach deinen lieben Sohn zu unserem Morgenstern, der auch heute neue Wege weist in eine ungeahnte Zukunft.
Amen
 
Die Schriftlesung für Epiphanias steht im Evangelium nach Matthäus im 2. Kapitel, die Verse 1-12:
 
1 Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. 3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, 4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): 6 »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« 7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. 9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10 Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 11 und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.
Halleluja
Lasst uns gemeinsam unseren Glauben bekennen
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen
 
Musik
Predigt
Der Predigttext für den heutigen Epiphaniastag steht beim  Propheten Jesaja  im 60. Kapitel, die Verse 1 –6 und wird im Verlauf der Predigt gelesen.
Liebe Gemeinde!
»Ich sehe was, was du nicht siehst!« – Erinnern Sie sich noch? Stundenlang haben wir uns als Kinder die Zeit damit vertreiben können. »Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grün ... oder blau.«Einer entdeckt etwas, eine Blume auf der Tasse in einer bestimmten Farbe, oder einen Streifen am Pullover. Der Mitspieler muss solange fragen und raten, bis er es rausgefunden hat. Wenn wir das nach vielen Versuchen noch nicht geschafft hatten, wurde es richtig anstrengend. Kaum auszuhalten, wenn unser Gegenüber triumphierend auch nach Minuten immer noch »sah, was wir nicht sahen«. Ein harmloses Kinderspiel.
Scheinbar. Doch im Grunde war dieses Spiel alles andere als belanglos. Denn unter der Hand haben wir dabei auch etwas Wichtiges gelernt. Wir lernten, dass die Welt um uns herum nicht einfach »ist«, wie sie scheinbar »ist«. Nein, es kann sein, dass jemand etwas klar und deutlich vor Augen sieht und wir sehen es unsererseits erst einmal nicht, – obwohl es da ist.
Als wir älter wurden, lernten wir, dass es bei solchem Sehen nicht allein um Farben geht. Auch Menschen kann man sehr unterschiedlich sehen. Oft entdecken Lehrer in den Kindern Fähigkeiten, die Eltern überhaupt nicht wahrnehmen. »Ich sehe was, was du nicht siehst!« Manchmal gilt das sogar für unsere Sicht auf die ganze Welt. Einer, der die Dinge anders sieht, als die Menschen um ihn herum, kommt in unserem Predigtwort für den heutigen Epiphaniastag zu Wort.
So steht im Buch Jesaja im 60. Kapitel:
1 Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! 2 Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. 3Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.4 Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden. 5 Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. 6 Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.
Die große Weltversammlung. Ein Bild orientalischer Pracht. Alle, alle sind sie da. Von nah und fern kommen sie in Jerusalem zusammen. Völker, Israel zuvor feindlich gesonnen, bringen ihre Gaben. Gold, Weihrauch, Kamele. Vereint sind sie im friedlichen Lob Gottes. So schaut es Jesaja. Die wichtigste Botschaft gilt Israel selbst: Mache dich auf, richte dich auf! Werde licht! Anders gesagt: Werde leicht und hell! Grund genug dazu hast du: Denn dein Licht kommt, Gottes Herrlichkeit. Sie geht auf über dir!
Wie mögen die Menschen damals auf Jesajas Worte reagiert haben? Ich stelle mir vor, wie sie diesen Mann, ungläubig staunend ansehen. Denn die Menschen, denen diese Worte gelten, sitzen buchstäblich im Dreck. Ja – die babylonische Gefangenschaft, vierzig lange Jahre, sie ist vorüber. Ja – sie durften zurückkehren nach Jerusalem. Ja – sie sind jetzt freie Menschen. Alles richtig.                                                                                                                        Aber: Das soll ein Leben sein? Die Stadt zerstört. Kein Stein mehr auf dem anderen. Das Land verwüstet. Die Felder zugewachsen. Leben von der Hand in den Mund.
Was redet der da? Gottes Herrlichkeit? Mann Gottes! Bist du noch ganz bei Trost? So ähnlich werden sie bei sich gedacht und vielleicht auch gesagt haben.     Von wegen: Richte dich auf. Nein. Richte dich ein! Das schon eher. Mach deinen Frieden mit den unsäglichen Verhältnissen, dass du vorbereitet bist, wenn das Schicksal zum nächsten Schlag ausholt. Besser wird es auf keinen Fall.
Ist der Prophet also ein Spinner? Ein gefährlicher am Ende dazu, weil er versucht, Menschen Mut zu machen, wo es nach menschlichem Ermessen nichts Ermutigendes gibt?
Sehen wir uns das etwas genauer an. Wenn wir das tun, dann merken wir, dass Jesaja durch und durch Realist ist. Er weiß durchaus um die verzweifelte Lage Israels, ja der ganzen Welt. Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, so stellt er nüchtern fest. Seine aufrichtenden Worte beruhen also ganz offensichtlich nicht auf einer genauen Betrachtung des Weltgeschehens. Er analysiert keine positive Entwicklung. Er zitiert keine nach oben weisenden Statistiken. Er malt den Israeliten nicht vor Augen, dass über kurz oder lang schon alles wieder gut werde, weil sich angeblich hoffnungsvolle Zeichen am Horizont der Weltgeschichte mehren. Jesaja ist nicht blind. Damals wie heute muss man kein Prophet sein, um zu sehen, wie die Lage ist. Dazu reicht ein wenig gesunder Menschenverstand aus.
Warum aber stimmt er dann keine Klagelitanei an? Was macht ihn so hoffnungsvoll? Wo findet der Prophet den tragenden Grund für seine Botschaft, wenn es die äußeren Umstände nicht hergeben?
Die Antwort lautet: Weil er mit anderen Augen hinsieht. Er lässt sich nicht festlegen auf die Nachrichten, die aus der Umgebung zu ihm dringen, seien sie gut, oder seien sie schlecht. Es lässt sich nicht fesseln von den äußeren Umständen. Er nimmt sie wahr. Er leugnet sie nicht. Aber sie sind nicht das Letzte, geschweige denn das Entscheidende, was über Israel damals und unserer Welt heute zu sagen wäre. Hier sieht der Prophet anders! Er sieht etwas, was die meisten seiner Zeitgenossen nicht sehen oder noch nicht sehen: Das Kommen Gottes. So wahr der Gott der Väter und Mütter der Gott Israels ist, so wahr steht er zu seinem Volk. Weil Gott der ist, der er ist, haben Jesajas Worte festen Grund, so dunkel die Zeit auch sein mag. Darin macht der Prophet sich fest. Und dieses Vertrauen auf Gott selbst gibt seinen Worten Grund und Halt. Jesaja schaut die Herrlichkeit Gottes und er setzt diese Sicht der Gegenwart entgegen, die sein Volk und sicher auch ihn selbst bedrängt. Dieses Sehen hat menschenverändernde Kraft. Es kann aus Menschen, die einmal meinten, sich vor einem blinden Schicksal wegducken zu müssen, aufrechte Zeitgenossen machen. Dessen ist Jesaja sich gewiss.
Darum ruft er Israel zu: Mache dich auf! Richte dich auf! Werde licht! Das, was Jesaja sieht, teilt er mit seinem Volk. Ich sehe was, was du nicht siehst! – Ja, dazu muss man ein Prophet sein!
Wer so spricht wie Jesaja, setzt sich auch dem Risiko aus, nicht verstanden zu werden. Doch so ist das mit dem Glauben. Es bleibt immer ein Wagnis in ihm enthalten, ein Risiko. Das Risiko falsch zu liegen. Doch wer glaubt, geht dieses Wagnis ein, weil er die Erfahrung gemacht hat, dass er darin aufgerichtet wird, hell und licht. Aufgerichtet, allem zum Trotz, was das Leben einem Menschen abverlangen kann.
Aus dem Gefängnis schreibt Dietrich Bonhoeffer: »Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.«Auch hier sieht einer mehr als andere. Die Welt verwandelt sich. Aus dem Bösesten entsteht Gutes, wo wir an Gott festen Halt finden. Bonhoeffer konnte so seinen Weg bis zum Schluss aufrecht gehen und viele, viele andere konnten und können das.
Werden auch wir unseren Blick von Jesaja leiten lassen? Werden wir unsererseits Ausschau halten nach dieser Herrlichkeit Gottes, die die Kraft hat, Menschen aufzurichten? Die Worte des Propheten enthalten dazu eine Einladung auch für uns. Es geht ihm nicht darum, dass nur er sieht, was andere nicht sehen. »Ich sehe was, was du nicht siehst!«, dieses Spiel kommt erst zum Ziel, wenn alle gemeinsam das Gesuchte entdecken: Die Herrlichkeit Gottes. Alle Welt soll das Heil Gottes sehen. Alle Welt soll aufgerichtet werden. Alles, alle sollen sie kommen. Im Evangelium des heutigen Tages wird von Menschen erzählt, die sich auf die Suche nach dieser Herrlichkeit machen. Sie lassen sich von einem Stern leiten, der ihnen dafür das Zeichen ist. Mehr haben sie nicht. Sie ziehen über Berge und durch Wüsten. Tag und Nacht. Wege und Irrwege, in allem dem uns sehr ähnlich. Schließlich wird ihnen das Kind in der Krippe von Bethlehem zum Zeichen, dass sie anbeten und Gott loben lässt. Ein kleines Kind. Unscheinbarer geht es kaum. In diesem Kind sehen sie Gottes Herrlichkeit, die sie selbst licht und heil macht. An dem Licht des Heilands Jesus Christus machen wir uns fest. An diesem Licht, das in dunkelster Nacht aufscheint, richten wir uns auf. Auf diese Zuversicht hin ist unser Glaube angelegt. Wenn wir jetzt heimkehren, nehmen wir sie mit in unsere Häuser, zu unseren Familien und Nachbarn, Arbeitskollegen. So klingt die Stimme des Propheten weiter: Schau doch, Gottes Herrlichkeit! Bis zu dem Tag, an dem alle, alle Menschen sie sehen, sich aufrichten und licht werden. Amen.
 
Musik
 
Fürbittgebet:
Glanz von Zion,
Licht der Welt,
aus allen Völkern hast du, Gott, deine Kirche gesammelt.
Sie ist aufgebrochen,
deinem Tag entgegenzugehen.
Wir danken dir,
dass du in Jesus Christus allen deine Herrlichkeit offenbart hast,
und bitten dich:
Erscheine, wo Menschen dich suchen und unruhig sind zu dir.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo du vergessen bist und nicht mehr vermisst wirst.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo Christen verfolgt und ihre Häuser und Gotteshäuser zerstört werden.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo Schwache geknechtet und Hilflose ausgebeutet werden.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo das Recht gebeugt wird.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo gefoltert, getötet und gequält wird.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo Lüge und Falschinformationen die Wahrheit verdunkeln.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo Machtkalkül und Intrigen Gemeinschaften vergiften.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Erscheine, wo Menschen in Angst leben.
(Stille)
Wir rufen: Herr, erbarme dich.
Scheine uns, Licht der Welt,
auf unserem Weg zu dir,
dass wir uns nicht verlieren, wo wir nicht weiter wissen,
sondern dir vertrauen,
bis dein Tag alles Dunkel klärt.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen.
 
Wir beten, wie du es uns gezeigt hast:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

 

Segen
Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns  Frieden.
 
 
Bleiben Sie alle gesund und behütet!
Ihr  Pfarrer Michael Wolf                        
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Lesegottesdienst 3. Jänner 2021

Lesegottesdienst aus Wien Favoriten Christuskirche

Zweiter Sonntag nach Weihnachten – 03.01.2021

 

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie eine Kerze an, suchen Sie sich ihre Lieblingsmusik aus oder singen Sie ihre Lieblingslieder aus dem Gesangbuch!

 

Musik nach eigener Auswahl

Gebet:

Guter Gott,

ein neues Jahr hat begonnen und wir sind voller Zuversicht, dass Du uns weiter auf unserem Lebensweg begleiten wirst. Wir hören auf dich, um uns Wegweisung und frohe Kraft zu erbitten für die Zeit, die vor uns liegt. Schenke uns jetzt durch Deinen Heiligen Geist, dass unsere Seele aufatmet, unser Herz sich öffnet und wir aufmerksam hören, was Du uns durch Dein Wort sagen willst.

Amen

 

Die Schriftlesung für den 2. Sonntag nach Weihnachten steht beim Propheten Jesaja, im 61. Kapitel, die Verse 1-3+ 10-11:

1Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; 2zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, 3zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des Herrn«, ihm zum Preise.

10Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. 11Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.

 

Halleluja

 

Lasst uns nun gemeinsam unseren christlichen Glauben bekennen

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde,

und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen

 

Musik nach eigener Auswahl

Predigt

Der Predigttext für den heutigen 2. Sonntag nach Weihnachten steht im Lukasevangelium im 2. Kapitel die Verse 41-52.

41Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. 42Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. 43Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten’s nicht. 44Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.

46Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. 47Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. 48Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? 50Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 52Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Gott, öffne uns für dein Wort, und öffne dein Wort für uns. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

Das Lukasevangelium ist schon etwas ganz Besonderes. An Weihnachten gehört es einfach mit dazu, der Engel, der Maria besucht, die Herbergssuche, die Volkszählung, „Aber es begab sich zu der Zeit… Und noch etwas ist Besonders an diesem Evangelium. Es ist das Einzige, dass uns etwas vom Kind Jesus erzählt, Jesus als 12-jähriger im Tempel. Ich bin mir sicher, vielen von euch ist diese Geschichte bekannt.

Ich kann es mir (noch) nicht vorstellen, wie es ist als Mutter zu bemerken, dass das eigene Kind weg ist. Ich kann mir aber durchaus das Gefühl vorstellen, weil ich als Lehrerin schon oft Lehrausgänge mitgemacht habe.

Das Kind, auf das man aufpassen, das man beschützen soll, ist weg und man ist sowohl unglaublich besorgt als auch wütend. Ich denke jede und jeder kann sich das Gefühl vorstellen, wie Maria und Josef empfunden haben müssen, als sie nach einem Tag Reise merkten, dass der Sohnemann nicht aufzufinden war.

Und sofort beginnen die Gedanken zu kreisen und dann überwiegt die Sorge den Ärger. Vielleicht hatte er sich irgendwo am Weg kurz hingesetzt und ausgeruht und war dann ohnmächtig geworden. Oder hatten irgendwelche kriminellen Banden, die sich unter den Zug der Festpilger gemischt hatten, Jesus entführt und verschleppt, um ihn in die Sklaverei zu verkaufen? Es fallen einem die unglaublichsten und „Worst-Case“-Szenarios ein, gerade wenn man jemanden nicht finden kann. Die Gedanken gehen in diese und jene Richtung, sie irren in die entlegensten Eventualitäten ab. Doch letztlich kann man nur versuchen Ruhe zu bewahren und an das zu denken, was am wahrscheinlichsten oder am wenigsten schlimm ist. Jesus ist in Jerusalem geblieben. So wird, so muss es sein. Also machen sie sich voller Sorge und Wut auf zurück nach Jerusalem, um ihn zu suchen.

Das tun sie ganze drei Tage lang. Drei Tage! Das ist eine sehr lange Zeit und ich will mir nicht vorstellen, wie die beiden sich nach dieser Zeit gefühlt haben müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Tempel ihre letzte Station war, dass sie die Suche eigentlich schon aufgegeben hatten und noch zum Gebet und zum Heimkehren den Tempel aufsuchten. Dass man jemanden in Jerusalem nicht so leicht finden kann, kann jede und jeder bestätigen der bereits einmal in der Stadt war und die verwinkelten Gassen im Gedächtnis hat. Es ist ein einziges Labyrinth.

Vielleicht haben sich Josef und Maria einfach gedacht: Wir wollen nicht so sang- und klanglos aus Jerusalem aufbrechen. Schließlich waren wir ja zum Passah-Fest hergekommen. Für die Befreiung aus der Knechtschaft hatten wir Gott gedankt. Hatten gefeiert, zusammen mit vielen anderen. Trotz der Besatzung durch die Römer, der Angst vor den fremden Soldaten und der bedrückenden Steuerlast haben den Auszug aus Ägypten gefeiert und auf Gott gehofft. Dass er die Fesseln lösen und sein Volk frei machen sollte.

Sollte Gott nun zulassen, dass der Sohn abhandenkommt, im Verlaufe des Passah-Fests?

Doch da sehen sie ihn. Dass kann doch wohl nicht wahr sein! Bei den Gelehrten im Tempel konnte man sich einen Rat holen. Sie kennen die Schrift und ihre Auslegung gut. Von Menschen und ihren Schicksalen verstehen sie etwas. Auch in scheinbar ausweglosen Lagen wissen sie noch ein Wort des Trosts und der Weisung zu sagen.

Es wäre wohl sehr interessant zu wissen, was sich die beiden zu diesem Zeitpunkt wohl genau gefühlt haben. Freude, Wut, Fassungslosigkeit, Glück? Sie hatten sich solche Sorgen gemacht, sich Horror-Vorstellungen ausgemalt, gebangt und gehofft und ihn nun hier endlich wiedergefunden.

Da saß nun dieser 12-Jährige Bub mitten unter den Gelehrten und Studierenden und verblüffte zu allem Überfluss auch noch mit seinen Fragen und Antworten.

In diesem Moment waren seine Eltern aber bestimmt nicht stolz darauf, dass ihr Sohn da so glänzte im Kreis der Belesenen und Gebildeten. Zorn und Kränkung sprechen aus den Worten von Maria, die ihren wiedergefundenen Ausreißer so anspricht:

“Mein Sohn, warum hast du uns das angetan?”

Und sind wir mal ehrlich: Wir verstehen sie doch alle, oder?

Und dann kommt nicht mal ein: „Entschuldige“, sondern die frech wirkende Frage: „Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?”

Als ob das so selbstverständlich wäre. Hätten Maria und Joseph wirklich wissen müssen, wo sie ihren Sohn finden können? Nur einen Moment hätten sie innehalten und nachdenken müssen, um prompt drauf zu kommen: Er kann ja nur im Tempel sein! Wie dumm wir doch waren, das war doch logisch! An dieser Stelle beende ich den Sarkasmus.

“Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!” Ich finde Maria ist noch freundlich, für das was Jesus ihnen angetan hat. Aber immerhin, er geht ohne zu motschkern mit ihnen nach Hause zurück. Fast ist es so, als wäre nichts passiert. Klingt doch schon befremdlich: “Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan.” Ein zwölfjähriger Bub, der seinen Eltern nun wieder gehorcht. Seltsam, oder nicht? Nach allem, was war. Leider lässt uns Lukas hier aber im Dunkeln darüber, ob es eine Strafe gab, Hausarrest oder mehr im Haushalt helfen?

 

Doch was will uns dieser Geschichte nun sagen? Ist es nicht so, dass jede und jeder einmal wegläuft? Im direkten oder metaphorischen Sinn. Auf dem Weg vom Kindsein zum Erwachsenwerden muss jede und jeder mal ausprobieren, wie es ist, von zu Hause abzuhauen. Muss ja nicht gleich für 3 Tage sein. Aber einfach mal alleine in eine andere Stadt, abgesprochen natürlich, oder einfach alleine unterwegs sein, sich beweisen.

Wir Menschen brauchen das, um zu reifen, um groß und selbständig zu werden. Hier in dieser Geschichte schimmert etwas davon hindurch. Denn zuletzt heißt es ja: “Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen”.

 

Das also kommt dabei heraus. Dies ist das glückliche Ende der nervenaufreibenden „Ausreißergeschichte“. Ja, denn so eine Geschichte ist es. Da läuft einer weg, er scheint schon verloren und wird doch gefunden. Er begehrt auf, findet etwas und fügt sich dann ein.

Das Finden ist wichtig. Die eigene Gabe zu finden und die Aufgabe zu erkennen. An dieser Geschichte von Jesus zeigt sich das. Wenn wir auch zunehmen wollen an Weisheit, an Alter, an Gnade bei Gott und den Menschen, dann können wir uns an diesen Jesus getrost halten.

Jesus versteht es, wenn wir einmal weit weg sind von ihm und seiner Botschaft, und dann auch wieder näher dran. Er hat Verständnis dafür, dass wir eigene Wege ausprobieren müssen, bevor wir zurückkommen und den Weg nach Hause antreten.

Genau so hat sich für viele von uns das letzte Jahr angefühlt, kann ich mir vorstellen. Viele von uns hatten Angst, fühlten sich alleine und mussten mal alleine klar kommen, ohne Eltern, Freunde oder Verwandte. Das war eine schwere Zeit, 2020 war definitiv nicht das beste Jahr.

Gott weiß genau, dass die Freiheit, das Eigene zu suchen und zu finden, unerlässlich ist für uns Menschen. Diese Freiheit war letztes Jahr anders, aber sie war dennoch da. Letztes Jahr haben viele von uns ganz viele neue Sachen für sich entdeckt, Backen, Kochen, Handwerkern, Sport und noch vieles Anderes. Und vielleicht war dieses Jahr eine gute Pause für viele von uns, ein Jahr zum Überlegen, zum Nachdenken und zum Erkennen und Schätzen von anderen. Das Erkennen der Notwendigkeit von Pflegeberufen, das schwere Pflaster von Lehrpersonen und Erzieher*innen, Menschen bei der Polizei und in vielen anderen Berufen. Vielleicht war das Jahr 2020 kein gutes Jahr allgemein, aber bestimmt ein gutes Jahr, um über alles zu reflektieren und nachzudenken, für den ein oder anderen auch um eine Berufung zu finden.

Und Gott unterstützt uns dabei. Vielleicht haben wir uns letztes Jahr entfernt gefühlt, wollten ausreißen und haben dann doch wieder zurückgefunden oder sind gefunden worden. Wenn uns dieses vergangene Jahr eines gezeigt hat, dann das jede und jeder etwas kann, viele waren so kreativ wie nie zuvor.

Gott unterstützt uns bei allem, wenn wir ihm die Gelegenheit dazu geben. Jede und jeder ist einzigartig. Und wir alle zusammen können es schaffen, dass 2020 zwar ein schlimmes, aber auch ein lehrreiches Jahr war und dass wir das nun in das neue Jahr 2021 mitnehmen, das wir unsere Stärken, unsere kleinen Ausreißer als Kraft und Stärke für das neue Jahr ansehen. Dass wir nicht mehr darüber nachdenken was alles nicht gut war, sondern uns auf das Gute freuen. Und das wird es ganz bestimmt geben. Und wir versuchen uns auf das Gute, was vor uns liegt, zu konzentrieren, denn Gott hilft es uns zu finden, auch und gerade an unerwarteten Orten.

 

Amen.

Musik nach eigener Auswahl

Fürbittgebet:

Ewiger, barmherziger Gott, du hast uns geschaffen. Im Vertrauen darauf kommen wir zu Dir und bitten Dich: Fülle unser Leben und das Leben auf unserer Welt mit Deiner Lebenskraft und Deiner liebenden Fürsorge. Lass uns auf dieser Welt zu Kraftquellen werden, die vielen Menschen helfen, ihr Leben zu verstehen und zu bestehen, Zweifel und Ängste zu überwinden, sich anderen Menschen zuzuwenden und für Frieden und Erhaltung des Lebens auf unserer Erde einzutreten. Wir bitten Dich für alle, die Staaten zu regieren haben, die Leitungsfunktionen innehaben und Verantwortung tragen im politischen Leben, in Wirtschaft und Gesellschaft. Lass sie erkennen, dass nicht rigorose Machtausübung und militärischer Einsatz, nicht Gewalt und rücksichtslose Wirtschaftsinteressen zu einem lebenswerten Dasein helfen, sondern Verhandlungen und Gespräch, Freiheit und Selbstbestimmung, Gerechtigkeit und Frieden. Wir bitten Dich: Nimm Dich der Vielen an, deren Leben enge Grenzen hat. Wir denken dabei an Menschen, die sich nach Nähe und Liebe sehnen, an Einsame und Alte, an Kranke, Pflegebedürftige und Sterbende. Dein guter Geist helfe uns, nicht achtlos an ihnen vorüber zu gehen, sondern mit unserer Anteilnahme und Hilfsbereitschaft da zu sein, wenn wir gebraucht werden. Stärke unsere Hoffnung, dass uns bei Dir einmal Leben in Fülle und Vollkommenheit erwarten wird.

Und nun beten wir, wie du es uns gezeigt hast:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern

erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse das Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe das Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

Passen Sie auf sich und Andere auf und bleiben Sie alle gesund und behütet!

 

Ihre Lektorin Sarah Wolf

LASST uns BETEN

Wechselnde Pfade wirst du mit uns gehen, ewiger Gott.

Schatten und Licht werden wir in diesem neuen Jahr erleben, barmherziger Gott.

Alles ist Gnade, und du hörst uns und liebst deine Schöpfung, treuer Gott.

Fürchte dich nicht, rufen uns deine Engel auch für dieses Jahr zu, lebendiger Gott.

Geh mit uns auf den wechselnden Pfaden des neuen Jahres.

Geh mit denen, die zu uns gehören.

Geh mit allen, die dir vertrauen.

Lass dein Licht hell strahlen in diesem neuen Jahr.

Erleuchte und tröste alle, die von den Schatten des Todes bedrängt werden.

Erleuchte und inspiriere alle, die deiner Schöpfung Gutes tun.

Deine Gnade heile in diesem Jahr die Kranken.

Deine Gnade schütze in diesem Jahr unsere Kinder und Enkel.

Deine Gnade verwandle in diesem Jahr die Trauer in Freude.

Deine Engel schicke in diesem Jahr aus, dass sie Frieden bringen, die Furcht vertreiben und mit uns singen.

In diesem neuen Jahr: Segne die wechselnden Pfade - ewiger Gott.

Segne Schatten und Licht - barmherziger Gott.

Sei mit deiner Gnade da - treuer Gott.

Sprich zu uns: !Fürchte dich nicht!“ 

Amen